Sie sind hier: Startseite

Freizeit + Ortsveränderung = Urlaub

Einen besonderen Stellenwert im Wachstumsmarkt Freizeit nimmt der Urlaub ein. Nicht nur als großer Ausgabeposten im Haushaltbudget, sondern auch als Faktor für Selbstverwirklichung und Ausdruck persönlicher Freiheit. Somit bedeutet der Urlaub für den Konsumenten Jahr für Jahr weiterhin eine sehr wichtige Entscheidung. die vermehrte Freizeit wird möglicherweise weniger dem Haupturlaub als vor allem den Zweit- oder Drittreisen, aslo den klassischen Kurzurlauben, zugute kommen.

Urlaub ist ganz eindeutig mit “Ortsveränderung” als Inbegriff der Freiheit besetzt, daß heißt weg aus der gewohnten Umgebung an einen unbekannten Ort, die Reisestrecke muß überwunden werden, eventuelle Verständnisschwierigkeiten. fremde Währungen usw. schaffen ein Gefühl der Unsicherheit. Zudem muß das Urlaubsprogramm selbst bestimmt werden, eine Entscheidung, die sehr wesentlich zum Erfolg oder Mißerfolg beiträgt und die noch dazu für Mitreisenden mitgetroffen wird. die Freizeit-Psychologie ortet hier konkrete Angstzustände, die praktische in eine Art Herausforderung umgelegt werden kann: man erzählt stolz, welche Abenteuer während des Urlaubes erlebt wurden und wie man sie letztlich doch gemeistert hat. Dies erklärt auch, mit welcher Hingabe teilweise wirklich unangenehme Situationen überwunden und damit akzeptiert werden. denken wir beispielweise an eine LKW-Blokade am Autobahngrenzübergang , die praktisch nicht verhindert werden konnte, daß die Urlauber trotzdem über Wald- und Güterwege “durchgesickert” sind.

Prof. Dr. Clemens August Andreae umreißt den durch umfassende Urlaubsmöglichkeiten gepägten Fremdenverkehr von heute und morgen mit zehn Thesen.

  • Fremdenverkehr bedeutet Nachfrage
  • und zwar aus dem In- und Ausland, wobei es darauf ankommt, die Phantasie der Umworbenen anszusprechen. Je wirksamer dies angeregt wird, desto größer ist die Nachfrage.
  • Fremdenverkehr als Angebot
  • Das Angebot muß den Vorstellungen der Umworbenen entsprechen. Die Hauptaufgabe für heute und morgen besteht darin, eine beinahe klassischen mangel des Fremdenverkehrs, nämlich die Unflexibilität im Bereich der Angebotsgestaltung, durch konsequente Anpassungsbereitschaft an die Verhätlnisse soweit wie möglich zu überwinden. Je beweglicher die Anbieter sind, desto erfolgreicher können sie sein. Bequem ist das freilich nicht.
  • Fremdenverkehr als Impulsgeber
  • Andreae sieht den Tourismus als den größten Multiplikator an. Umso mehr wird sich Agilität in der Angebotsgestaltung als vorteilhaft, aber auch als unumgänglich notwendig erweisen, wenn man Wettbewerbsreif bleiben will.
  • Fremdenverkehr als Impulsnehmer
  • Andreae sieht nach dem Erreichen einer gewissen Quantität die Aufgabe, die Qualität zu steigern. Sonst, so Andreae, “tötet der Tourismus den Tourismus”. Wir leiten daraus für das Phänomen “Urlaub” die Chance einer weiteren Verbreitung auf bisher vom Tourismus noch nicht bzw. nur gering erfaßte Erdteile, Staaten und Gebiete ab.
  • Fremdenverkehr: Kur- und Fremdenverkehrsdirektor
  • Im weitesten Sinne des Wortes ist damit der Bedarf an ausgezeichnet ausgebildeten Tourstik Fachleuten zu verstehen.
  • Fremdenverkehr: Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Corporate Identity
  • Das Phönomen “Urlaub” können wir eben - so angenehm uns dessen wachsende reale Bedeutung ist - nur dann voll in den Griff bekommen, wenn alle Faktoren einer zeitgemäßenn Kommunikation erfüllt werden.
  • Fremdenverkehr und Umwelt
  • Eine These steigender Aktulität, die aber gleichzeitig einer wirklich durchdachten Zusammenarbeit aller - auch der nur indirekt Beteiligten - bedarf. Nationalparks alleine genügen nicht. Eine intakte Umwelt erfordert auch, den tradionellen Gewohnheiten der dort standig wohnenden Bürger entsprechende Lebensmöglichkeiten zu bieten. Außerdem erwarten viele Gäste einen Erlebnisurlaub, zumindest sind viele Toursiten nur kurzzeitig am totalen Ausruhen, insgesamt aber vielmehr an Erlebnissen, an gesellschaftlichen Kontakten, Kunst, Kultur usw. interessiert. Viele erwarten zwar eine intakte Landschaft, werten diese aber bewußt oder unbewußt nur als Kulisse.
  • Fremdenverkehr und Mode
  • Schon vor gut 100 Jahren beieinflußte die zunehmende Neigung zu Wanderungen das Angebot an dafür geigneter Kleidung. Heute spielt die sogeannte Freizeitmode eine bedeutende Rolle; es emphielht sich daher eine Zusammenarbeit zwischen einzelnen Fremdenverkehrsorten und Modeschöpfern bzw. Produzenten.
  • Fremdenverkehr: Steuern und Transferzahlungen
  • Das Phanomen “Urlaub” bewegt eben bedeutende Geldbeträge; auch im Zusammenhang mit Steuern, Subventionen und Devisen.
  • Fremdenverkehrsgesinnung
  • Das Fremdenverkehrswesen unserer Zeit erzielt of solche Quantitäten, daß wir tatsächlich auch von “Massentourismus” sprechen müssen. es kann daher nicht überraschen, wenn etwa unter dem Eindruck vielwöchigen Hochbetriebes so mancher am Fremdenverkehr eigentlich höchst interessierte Anbieter müde wird. Außerdem ist nicht jeder Gast ein angenehmer Partner. Darüber hinaus fühlen sich manche in bestens frequentierten Urlaubsgebieten wohnende Mitbürger durch die große Anzahl an Fremden mehr oder weniger gestört. Sie wissen eben nicht, daß sie, wenn auch nur indirekt, Tourismus-Nutznieser sind. Ein hohes Niveau der Fremdenverkehrsgesinnung aller direkt und indirekt am Angebot Beteiligten ist unbedingt notwendig. Oder mit anderen Worten: Echte Gastfreundschaft ist das Lebenselexier des Phänomens “Urlaub”. Auch der umfassendste gesetzliche Urlaubsanspruch kann den Fremdenverkehr nur wirksam beeinflussen, wenn dieses Lebenselexier in maximalem Umfang angeboten wird.

Apropos Gastfreundschaft: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband hat seine Nachwuchswerbung unter das Motto “Gastfreundschaft ist unser Beruf” gestellt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet darüber im September 1988. Gastfreundschaft ist unzweifelhaft ein unentbehrliches Element zeitgemäßer Marketingpraxis im Fremdenverkehr.


Verwandte Beiträge