Die wohl weitblickendste Prognose, nämlich bis 2029, wurde nach einem Artikel von Herman Kahn erstellt und in „The Futurist“, veröffentlicht. Bei all diesen Prognosen wird weiterhin mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten gerechnet und von stabilen gesellschaftspolitischen und nationalökonomischen Voraussetzungen ausgegangen. Weiters wird unterstellt, dass die touristische Infrastruktur und Kapazität so wie bisher der steigenden Nachfrage unbegrenzt und automatisch folgt. Auch darin liegt ein gewisse Unsicherheitsfaktor, da dies infolge natürlicher Belastbarkeitsgrenzen für Landschaft und Bevölkerung nicht mehr so selbstverständlich ist. In den Zukunftsprognosen für den Tourismus ist von den nichtquantifizierbaren und vor allem unberechenbaren menschlichen Faktoren wenig zufinden. Viele, die aktuelle Tourismusauswüchse bereits als neue Form des Kolonialismus betrachten, sehen in dieser Veränderung der Fremdenverkehrsgesinnung die größten Zukunftsprobleme.
Schwierigkeiten dieser Art sieht die WTO-Forschung offensichtlich nicht:
- die Reiseindustrie gedeihe in Notlagen und blühe durch Herausforderung auf.
- Wahrscheinlich werden die internationalen Tourismusströme, von denen bis jetzt 70 bis 80 % in entwickelte Gebiete fließen, mehr zu den Entwicklungsländern gelenkt werden.
Es darf also angenommen werden, dass sich neben einer überproportionalen Entwicklung im bereits bestens gerüsteten Nordamerika die zusätzlichen Tourismusströme vor allem dorthin bewegen werden, wo noch weitere Kapazitäten geschaffen werden können; dies räumt besonders den Entwicklungsländern mit geeigneten landschaftlichen und klimatischen Voraussetzungen hohe Chancen ein. Falls die politischen und sozialen Verhältnisse dies zulassen. Bis diese neuen Destinationen aufnahmefähig sein werden, bedarf es außerdem Investitionen in die touristische Infrastruktur in gigantischem Ausmaß. Es entsehen in diesen Hoffnungsbieten früher oder später durch das „Eindringen“ der Urlauber Probleme mit den Einheimischen. Mit weiterer Sensibilisierung des Gastes scheidet die an sich möglich Trennung von der ortsansässigen Bevölkerung sicherlich aus, die Isolation der Urlaubsgebiete hat auf die Dauer kaum Zukunft.
- Bei planmäßigem Aufbau neuer Zielgebiete in Entwicklungsländern sind daher wesentliche fragen zu beachten bzw. zu klären. Soll Tourismus eine dominierende Rolle spielen, soll das ganze Land einbezogen sein, welchen Nutzen kann die einheimische Bevölkerung ziehen, wie können Negativeinflüsse auf die natürliche Entwicklung der Einwohner verhindert werden usw.?
Wie ein vernünftiges Nebeneinander von Gast und einheimischen für die Zukunft aussehen könnte, hat Mohammed A. Tangi vom United Nations Environment Program in sechs Vorschlägen zusammengefasst:
- Die Unterbringung von Touristen soll nicht länger auf die Hotels beschränkt bleiben. Die Möglichkeit, Zimmer bei Privaten als Alternative zum Bau großer Hotel zu mieten, sollte entwickelt werden. Das würde auch dazu beitragen, zwischen Fremden und der Lokalbevölkerung Freundschaft zu stiften.
- Der Tourismus soll sich von den überfüllten Küstenregionen weg und nach Gegenden hin entwickeln, die dünn besiedelt sind und wo es noch genügend Raum gibt.
- In allen Fremdenverkehrsregionen müssen Naturreservate geschaffen werden, die vom Tourismus ausgesperrt und geschützt werden sollten.
- Es sollen sowohl auf Seiten der Gastgeber wie der Gäste besondere Vermittler ausgebildet werden, die nach Kenntnissen und Charakter geeignet sind, wechselseitiges Verständnis zu wecken.
- Es muss ein Tourismuscodex entwickelt werden, den sowohl die Gäste wie die Gastgeber als verpflichtend anerkennen.
- Bei allen am Meer gelegenen Orten müssen Höchstraten für den Touristenstrom festegesetzt werden: etwa eine Maximum von 600 Menschen pro Hektar Strand.
Die Frage nach der „Urlauberdichte“ ist allerdings schon lange keine Frage der Küstengebiete mehr. Jedes Zielgebiete mit etablierter Nachfrage steht heute bereits vor dem Problem der Festelegung vernünftiger Ausbaugrenzen. Die landschaftliche Voraussetzungen als die tragende Angebotsfundamente können nur bedingt belastet werden. Leider wird der Ausbau der touristischen Infrastruktur von „Landschaftsschützern mit speziellen Absichten“ zu oft als willkommene Gelegenheit für die Publizierung oder d Durchsetzung eigener Anliegen benützt. Die objektive Beurteilung notwendiger Investitionen gegenüber nichtvertretbare unwirtschaftlichem Wunschdenken bleibt meist im emotionalen Bereich auf der Strecke.
- Einige gründe für Fehlentscheidungen dieser Art sind im fehlenden Wissen über die Wertigkeit der landschaftlichen Gegebenheiten für den Tourismus zu suchen. Wie soll die Vernichtung von Natur, Landschaft und Kultur verhindert werden, wenn wir uns die Erhaltung zuwenig gesicherte Argumente kennen? Erst wenn wir in voller Konsequenz wissen, was wir verlieren, kann uns die Erhaltung rentabel erscheinen.
Umfassend bereitete W. Kofler in einem Konzept der Erholungs-Raumplanung die psychischen Auswirkungen der verschiedenen Landschaftselemente auf. (Statistik siehe Buch Seite 37)
