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Ökologie und „sanfter“ Tourismus

„Die gegenwärtigen Umwelt-, Wirtschafts- und sozialen Krisen geben Anlass zu einem allgemeinen Umdenken und eröffnen die Chance zu neuen Perspektiven . auch im Tourismus. Die Bereitschaft für eine Veränderung der Tourismuspolitik in Richtung einer harmonisierten sozial- und umweltverantwortlichen Entwicklung was kaum je so groß wie heute. Der Sanfte Tourismus als eigentliche Bewegung (im sinne einer neuen touristischen Geisteshaltung/Ethik) hat zum Ziel, Formen des Tourismus zu entwickeln, die einen möglichst hohen Nutzen für alle Beteiligten bringen – die Touristen, die ortsansässige Bevölkerung, die Tourismusunternehmen – bei gleichzeitiger Minimierung der Nachteile (Kosten) ökonomischer und vor allem ökologischer und sozialer Art.“ – soweit Jost Krippendorf.

Schon 1980 forderte der Futurologe R. Jungk den „sanften“ Tourismus und arbeitete eine Gegenüberstellung von harten und sanften Reisen aus:

Hartes Reisen

Sanftes Reisen

 

 

Massentourismus

Einzel-, Familien und Freundesreisen

Wenig Zeit

Viel Zeit

Festes Programm

Spontane Entscheidung

Außengelenkt

Innengelenkt

Importierter Lebensstil

Landesüblicher stil

Sehenswürdigkeiten

Erlebnisse

Anstrengend und aktiv

Bequem und passiv

Wenig oder keine geistige Vorbereitung

Vorübergehende Beschäftigung mit dem Besuchsland

Keine Fremdsprache

Sprache lernen

Überlegenheitsgefühl

Lernfreude

Einkaufen (Shopping)

Geschenke bringen

Souvenirs

Erinnerungen, Aufzeichnungen, neue Erkenntnisse

Knipsen und Ansichtskarten

Fotografieren, Zeichnen, Malen

Neugier

Takt

Laut

Leise

Jost Krippendorf entwirft in seinem Buch „Alpsegen/Alptraum“ zehn Grundsätze für eine Tourismusentwicklung in Einklang mit Mensch und Natur:

1. Die Notwendigkeit des Eingriffes einsehen – Anspruch aus dem Teufelskreis des quantitativen Wachstums.

2. Die schwächeren Elemente im Gefüge stärken und auswuchernde Elemente zurückbinden:
- die Natur gegenüber den Interessen der Wirtschaft,
- die Landwirtschaft gegenüber dem Tourismus,
- die nachhaltig produktiven sozial- und umweltverträglichen Tourismusformen (Hotellerie und Aufenthaltstourismus) gegenüber dem weniger produktiven und weniger verträglichen (z.B. Zweitwohnung, Tagesverkehrs).

3. Ausbauziele verbindlich festlegen; Beschränkung auf das Wünschbare (nicht das Machbare), festgelegt durch Orte und Regionen.

4. Kontrolle über Grund und Boden behalten, d.h. aktiven Raumordnungs- und Bodenpolitik betreiben.

5. Eine zurückhaltende Erschließungspolitik verfolgen. Bei infrastrukturellen Erweiterungen (Strassen, Parklätzen, Kanalisation) die Ausbau-Ziele beachten.

6. Natur und Landschaft wirksam schützen. Für eine „grüne Entwicklungspolitik“ einstehen, Schutzinteressen vor Verwertungsinteressen stellen, um in Zukunft der Forderung als Kontrastraum zur verstädterten Industriewelt überhaupt noch gerecht zu werden.

7. Land- und Forstwirtschaft stärker als Partner gewinnen. Partnerschaftliche Zusammenarbeit bei Entscheidungsfindung und Ausführung anstreben.

8. Den Fächer der wirtschaftlichen Tätigkeiten gezielt verbreitern - die Qualität der Arbeitsplätze verbessern. Bewusste Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik betreiben, nicht nur Bauwirtschaft und Tourismus „verdienen lassen“, sinnvolle Einbindung möglichst vieler Branchen.

9. Die einheimische Kultur pflegen. Die besondere Pflege soll in erste Linie der Eingeständigkeit der Bevölkerung dienen.

10. Tourismus-Marketing und die Information in den dienst des „sanften“ Entwicklungskonzeptes stellen. Mobilisierung des Bewusstseins auf allen Ebenen (Bevölkerung, Tourismus-Unternehmer, Politiker und Touristen). – So kann sich diese notwendige Entwicklung auf breiter Ebene durchsetzten.

Mögliche Störfaktoren im Urlaub (von 100 Urlaubern in Prozent)

  • Umweltverschmutzung 61
  • Überhöhte Preise 58
  • Schlechte Unterkünfte 59
  • Unfreundliches Personal 58
  • Schlechte Organisation 28
  • Starke Erschließung 30

Das ein Umdenken und geeignete Maßnahmen notwendig sind, haben die Verantwortlichen erkannt, Hierzu ein Auszug eines Pressegespräches im Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten (Österreich) Minrat. Dr. A. Würzel nimmt Stellung zu Ergebnissen einer Arbeit des österreichischen Institutes für Raumplanung „Untersuchung der Nutzungsintensität und der Landschaftsbelastung im Fremdenverkehr anhand ausgewählter Fallbeispiele“:
„Als Folge eines zunehmenden Problembewusstseins werden nunmehr von der öffentlichen Hand und auch von der Tourismuswirtschaft verstärkte Anstrengungen zur Milderung eingetretener Belastungen,, zur Sanierung von Schäden sowie zur Vermeidung weitere Beeinträchtigungen unternommen. Wesentlich betrifft dies die Handhabung des Raumordungsinstrumente zur Gewährleistung einer geordneten Siedlungsentwicklung sowie einer sparsamen und schonenden Inanspruchnahme der räumlichen Ressource; Maßnahmen zur Milderung der Belastungen durch den Verkehr, verstärkte Anstrengung zur Rekultivierung von Schipisten und große fortschritte hinsichtlich einer möglichst umweltschonenden Abwasser- und Müllentsorgung.“

Auch Dr. Lukas, Geschäftsführer der ÖFVW, bekundete den großen Willen der nationalen Werbestelle, der Umwelterhaltung größte Aufmerksamkeit widmen:
„Umwelterhaltung sollte im Zweifelsfall Priorität von Umweltnutzung haben. Rohstoff des Fremdenverkehrs in Österreich ist neben der Kultur die Natur, die unzerstörte Umwelt. Die Rohstoffe anderer Industrien können vielleicht bei entsprechendem Forschungsaufwand durch synthetische Materialien ersetzt werden, der Rohstoff Natur ist mit Sicherheit durch nichts zu ersetzten. Der Sparziergang in einem Wald aus Plastikbäumen mit Vogelgezwitscher aus versteckten Lautsprechern ist bestenfalls eine Horrorvision. Kurzfristige Ertragsüberlegungen sollten im Zweifelsfall verantwortungsbewussten Zukunftsstrategien weichen.


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